„Greenwashing“ auf Kosten des Ehrenamtes

„Greenwashing“ auf Kosten des Ehrenamtes

Frank Hamanns Leserbrief zur Rolle der Grünen bei der Verzögerung eines Neubaus für die Taruper Freiwillige Feuerwehr

Spät war es in der Ratsversammlung. Gegen 23:15 Uhr kamen die letzten Tagesordnungspunkte zur Diskussion. Ich vermute, die meisten Einwohner*innen hatten die Direktübertragung im Offenen Kanal und im Internet bereits abgeschaltet. Hochinteressant war es trotzdem. Es ging um die Beschlussvorlage RV-2/2021, den Bebauungsplan „Ringstraße“ (Nr. 317) – Aufstellungsbeschluss.

Einfach erklärt: Seit 2018 suchen wir händeringend einen Standort für einen Ersatzbau der Freiwilligen Feuerwehr Tarup. Dort sind die Verhältnisse für die ehrenamtlich Tätigen absolut inakzeptabel. Auch hierzu hatte Carsten Herzog als Chef der Berufsfeuerwehr mehrfach berichtet. 2019 gab es erste Berichte über mögliche Standorte in den Fachausschüssen. Im Februar 2020 wurden die Standortmöglichkeiten aufgrund einer Anfrage der CDU weiter konkretisiert. Im August 2020 gab es dann eine ausführliche Mitteilungsvorlage, die eindeutig das Grundstück an der Ringstraße als einzig möglichen Standort definierte.

Im Januar diesen Jahres passierte dann der Aufstellungsbeschluss mit großer Mehrheit die Ausschüsse für Planung (SUPA) und Einwohner*innenschutz (ASO) sowie den Finanzausschuss (FA). Immer erklärte Herr Herzog mit bewundernswerter Geduld die Auswahl des Grundstückes und bot zuletzt im FA am 11.02.2021 nochmals ausdrücklich an, ihn bei Fragen zu der Grundstückswahl direkt anzusprechen. Hat aber keiner gemacht…

Jetzt sollte der Aufstellungsbeschluss in der Ratsversammlung getroffen werden und Bündnis90/Die Grünen schrieben einen Tag vorher eine Ergänzung. Dort forderten sie vor der Beschlussfassung eine Liste der untersuchten Grundstücke ein. Es war wohl der späten Stunde und der nachlassenden Konzentration gefordert, dass diese Vorlage dann auch noch eine knappe Mehrheit erhielt. Das zur Vorgeschichte.

Hatte die grüne Fraktionsvorsitzende Katja Claussen vier Stunden vorher zum Haushalt noch gesagt sie vermisse eine „Vernetzung“ in der Verwaltung, führen sie und ihr Co-Vorsitzender Clemens Schmidt solche Aussagen mit ihrer Ergänzung ad absurdum. Warum tun sie so etwas?  Nun, ich kann da nur spekulieren.

Inhaltliche Gründe konnten es nicht sein, aber vermutlich wollten sie den Ruf ihrer Fraktion ein bisschen aufpolieren. Schließlich waren es überraschenderweise Stimmen aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die die notwendige Mehrheit für das Hotelprojekt am Bahnhof besorgt hatten. Was daraus entstanden ist, weiß inzwischen die ganze Welt. In der Wirtschaft nennt man das „Greenwashing“.

Ausgetragen wird dieser Versuch der Imagerettung ausgerechnet auf dem Rücken des Ehrenamtes, das unentgeltlich tagtäglich Leib und Leben riskiert, um Andere zu retten. An der Ringstraße wird nicht ein Baum gefällt. Hinter der Feuerwehr soll auch noch zusätzlich ein weiterer, dringend benötigter Sportplatz entstehen.

Jetzt aber drohen Verzögerungen von mindestens einem Jahr, da sich das Zeitfenster dieses Jahr für die aufwendige Abarbeitung eines Aufstellungsbeschlusses schließt! Also: In den nächsten (Wahl-)Jahren nicht vergessen, wer hier Wein predigt und Wasser serviert! Ich freue mich schon auf „Muschelfischerei-und-Atomschrottlager-Habeck“…

Frank Hamann
Vorsitzender des Ausschusses für Einwohner*innenservice, Schutz und Ordnung (ASO)